Talking Shirts: Grafitee Interview

Shirthunters im Gespräch mit dem größten französischen Shirt-Blog Grafitee über die Zukunft des Blogs als Einkaufsplattform, über fiese Shirt-Trends und das beste Heilmittel gegen Hangover.

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Paris ist ja traditionell ein ziemlich guter Ort für Mode – kein Wunder, dass der größte und beste Shirtblog Frankreichs hier residiert. Als ich vor Kurzem für einen 2wöchigen Sprachkurs in der französischen Hauptstadt war, konnte ich die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen, die Jungs von Grafitee anzuschreiben und uns auf ein Bier zu verabreden. Wobei „Jungs“ schon mal ein elementarer Fehler war. Meine Ansprechperson war Bene und so erwartete ich eine bärtigen hippen jungen Mann (hallo Klischee!) an der Straßenecke vor der Oper. Als mich dann eine junge Dame ansprach, dauerte es drei Sekunden, bis ich kapierte, dass Bene ja auch für Bénédicte stehen könnte. My bad! Wir entschieden uns, keine 17 EUR für eine Halbe Bier direkt an der Oper zu bezahlen und steuerten auf Benes Vorschlag eine Bar an (inkl. Pole Dance-Stangen im zweiten Stock – im ersten ging es aber sehr gesittet zu, promise!) und ich zauberte ein paar Fragen aus dem Shirt-Kragen, die Bene, die im Grafitee-Team für PR zuständig ist, mit großer Geduld für Abseitigkeiten beantwortete.

SH: Bene, was trägst Du jetzt für ein T-Shirt?
GR: Kann ich auch mit einem Hoodie dienen? Er ist von Diamante Wear aus Danzig.

SH: Erzähl mal ein bisschen über Grafitee. Was treibt euch an, wo kommt ihr her?
GR: Um 2008 fanden die vier Gründer zusammen, um Shirtdesigns nicht nur zusammen abzufeiern, sondern auch mit einem breiten Publikum zu teilen. Sie wurden relativ schnell bekannt und offenbar auch beliebt, denn als sich die Gründer 2010 zurückziehen und den Blog einstellen wollten, sprangen zwei Leser ein – „Ihr könnt doch nicht aufhören!“ – und setzten das Shirt-Erbe fort. Nach und nach wurden auch immer mehr Shirtlabels auf den Blog aufmerksam und irgendwann keimte die Idee, Shirt-Liebhaber und Shirt-Labels zusammenzubringen: Der Grundstein für eine Shopping-Plattform war gelegt.

SH: Und wie ging es weiter?
GR: Nachdem die Pläne standen, begannen wir Ende 2014 mit der ernsthaften Planung und Ende März ging dann tatsächlich auch der Shop live.

SH: Also Blog zu Ende, dafür jetzt 100% Shop?
GR: Nein, auf keinen Fall! Unser Team besteht aus insgesamt sieben Personen, die Inhalte zusteuern und das Magazin mit Shirt-Infos, aber auch Themen wie Fashion, Musik, Events befüllen – und das in zwei Sprachen, Englisch und Französisch. Uns ging es beim Aufbau der Plattform vor allem darum, kleineren Labels die Möglichkeit zu geben, sichtbarer zu werden – trotz Internetshops ist es gerade für die kleinen Indie-Labels oftmals immer noch schwierig Fuß zu fassen und gefunden zu werden.
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SH: Und wie funktioniert der Shop, wie findet ihr die passenden Labels?
GR: Wir haben jetzt etwa 100 verschiedene Labels auf der Plattform, nicht nur französische, sondern auch internationale Labels. Wir sind auch kein Shop mit Lagerkapazitäten und Shirt-Stapeln, sondern vielmehr eine Art Vermittlungplattform, wir präsentieren die Shirts und bringen den Kunden mit dem Shop zusammen. Die Bestellung landet direkt beim Label und das Label versendet dann auch die Bestellung. Wir behalten für unseren Service einen kleinen Prozentanteil.

SH: Wie sucht ihr die Labels aus?
GR: Es sind Labels, die wir selbst gerne mögen und tragen, oder die gut zu uns passen. Übrigens haben wir jedes Shirt, das wir präsentieren, definitiv in der Hand gehalten, befühlt und fotografiert.

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SH: Was macht aus Deiner Sicht den Unterschied zwischen einem guten und einem weniger guten Shirt-Label aus?
GR: Auf jeden Fall die Leidenschaft, mit der man dabei ist. Wieviel Liebe man reinsteckt – wenn man sich ein bisschen mit Shirts beschäftigt wie wir [und wie ich, Anm. Shirthunters], merkt man das relativ schnell. Und dann natürlich Sachen wie die richtige Stoffwahl, die Schnitte und ganz wichtig – Details.

SH: Fieseste Design-Idee?
GR: Shirts, die für Junggesellenabschiede „designed“ werden und Logo-Mash-Ups, die sind zu 90% einfach schlecht.

SH: An welchem Trend hast Du Dich jetzt sattgesehen?
GR: Die gecroppten Shirts – wobei die Jungs im Team sicher ganz anderer Meinung sind, und Shirts mit All Over-Prints. Ich persönlich finde Tanktops auch ein bisschen überbewertet.

SH: Deine drei Lieblingslabels?
GR: AMON, Siriusgrafik, Mimmeko und Domestic Stencilworks – oh, das sind jetzt vier.

SH: Passt. Und welche drei – oder vier – Labels aus Frankreich sollten wir unbedingt kennen?
GR: White Mountains, Shaman, North Beach und Quatre Cent Quinze.

SH: Ok, mal weg von T-Shirts – welche drei Orte würdest Du meinen Lesern unbedingt ans Herz legen, wenn sie mal Paris besuchen?
GR: Das Restaurant Buvette im neunten Arrondissement ist toll, klein und gemütlich und mit leckerem Essen. Kulturmäßig kann ich 104 empfehlen, dort finden Ausstellungen statt und durch eine Glasdecke kann man Leuten beim Tanzen zuschauen, super! Dann noch den Pavillon de Dr. Pierre, einen guten Club und, weil drei Punkte nicht reichen, noch die alten Zuggleise um Paris herum, an denen man ziemlich nice spazieren gehen kann.

SH: Vorletzte Frage: Bestes Mittel gegen Hangover?
GR: Das ist mir ein bisschen peinlich, aber kalte Pasta rettet Leben!

SH: Klingt … lecker. Welchen Rat würdest Du Leute mitgeben, die gerade planen, ein Shirtlabel auf die Beine zu stellen?
GR: Seid mit Leidenschaft dabei, keine Kompromisse – macht es gut und bleibt euch treu. Oh, und seid auf Grafitee!

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[so sieht es aus, wenn zwei Shirt-Blogs aufeinander treffen…]

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